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Gewichtszunahme durch Medikamente: Welche Wirkstoffe dick machen und was hilft

Antidepressiva, Betablocker, Kortison: Diese Medikamente können dick machen. Welche Wirkstoffe das Gewicht beeinflussen und was du dagegen tun kannst.

Von SchlankKompass-Redaktion 28. April 2026 8 Min. Lesezeit
Gewichtszunahme durch Medikamente: Welche Wirkstoffe dick machen und was hilft

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Du isst nicht mehr als früher, bewegst dich wie immer, und trotzdem zeigt die Waage Monat für Monat mehr an? Dann lohnt sich ein Blick in deinen Medikamentenschrank. Etliche häufig verordnete Wirkstoffe können das Gewicht nach oben treiben, manche um zwei bis drei Kilo, andere um zehn und mehr. Die gute Nachricht: Du bist dem nicht hilflos ausgeliefert.

Warum Medikamente überhaupt dick machen können

Eine Tablette enthält selbst kaum Kalorien. Trotzdem kann sie auf mehreren Wegen ins Gewicht eingreifen. Manche Wirkstoffe steigern den Appetit direkt im Gehirn, vor allem die Lust auf Süßes und Herzhaftes. Andere bremsen den Stoffwechsel, sodass dein Körper im Ruhezustand weniger Energie verbrennt. Wieder andere sorgen für Wassereinlagerungen, die auf der Waage wie Fett aussehen, aber keines sind.

Dazu kommt ein indirekter Effekt, der oft unterschätzt wird: Müdigkeit. Wer durch ein Medikament ständig erschöpft ist, bewegt sich automatisch weniger, lässt den Spaziergang ausfallen und greift eher zu schnellen Snacks. So summieren sich kleine Veränderungen über Monate zu mehreren Kilo.

Wichtig zu wissen: Nicht jeder Mensch reagiert gleich. Zwei Personen können dasselbe Medikament nehmen, und nur eine von beiden nimmt zu. Veranlagung, Dosis und Therapiedauer spielen alle eine Rolle.

Antidepressiva: Große Unterschiede innerhalb einer Gruppe

Antidepressiva sind wohl die bekanntesten Kandidaten, doch die Unterschiede zwischen den Wirkstoffen sind enorm. Pauschal zu sagen "Antidepressiva machen dick" wäre schlicht falsch.

Deutlich gewichtssteigernd wirken vor allem ältere trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin sowie Mirtazapin. Mirtazapin wird wegen seiner schlaffördernden Wirkung gern abends verordnet, kurbelt aber bei vielen Menschen den Appetit spürbar an. Zunahmen von fünf bis zehn Kilo innerhalb eines Jahres sind keine Seltenheit.

Im Mittelfeld liegen viele moderne SSRI wie Citalopram oder Paroxetin. Kurzfristig sind sie oft gewichtsneutral, bei einer Einnahme über Jahre kann sich aber eine moderate Zunahme einschleichen.

Eher günstig schneiden Sertralin und vor allem Bupropion ab. Bupropion dämpft den Appetit sogar leicht und wird deshalb in manchen Ländern in Kombinationspräparaten gegen Übergewicht eingesetzt.

Falls du wegen einer Depression behandelt wirst und mit dem Gewicht kämpfst, gilt trotzdem: Die psychische Stabilität hat Vorrang. Ein gut wirkendes Medikament tauscht man nicht leichtfertig aus. Aber du darfst und solltest das Thema ansprechen, denn oft gibt es eine Alternative, die beides kann.

Kortison: Der Klassiker unter den Dickmachern

Kortisonpräparate wie Prednisolon sind bei Rheuma, Asthma, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und vielen Autoimmunerkrankungen unverzichtbar. Gleichzeitig greifen sie tief in den Stoffwechsel ein.

Kortison steigert den Appetit, fördert die Einlagerung von Wasser und verschiebt die Fettverteilung in Richtung Bauch, Nacken und Gesicht. Das typische "Vollmondgesicht" bei längerer Hochdosistherapie kommt daher. Zusätzlich baut Kortison Muskulatur ab, was den Grundumsatz weiter senkt.

Entscheidend sind Dosis und Dauer. Ein Kortisonstoß über fünf Tage bei einem Asthmaanfall verändert dein Gewicht praktisch nicht. Eine Dauertherapie über Monate hinweg dagegen schon. Hier lohnt die Frage an die Ärztin, ob die Dosis schrittweise reduziert werden kann oder ob lokale Anwendungen wie Sprays, Salben oder Inhalatoren ausreichen, die kaum ins System gelangen.

Betablocker und andere Herz-Kreislauf-Medikamente

Ältere Betablocker wie Metoprolol, Atenolol oder Propranolol können den Energieverbrauch leicht senken und machen manche Menschen träger, was Sport und Alltagsbewegung erschwert. Die Zunahme fällt meist moderat aus, oft ein bis drei Kilo im ersten Behandlungsjahr, kann sich aber mit anderen Faktoren addieren.

Neuere Vertreter wie Nebivolol oder Carvedilol gelten als weitgehend gewichtsneutral. Auch andere Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer oder Sartane beeinflussen das Gewicht praktisch nicht. Wer also wegen Bluthochdruck behandelt wird und zunimmt, hat gute Chancen auf eine Alternative.

Diabetesmedikamente: Insulin und Sulfonylharnstoffe

Es klingt paradox, aber ausgerechnet einige Diabetesmedikamente fördern die Gewichtszunahme. Insulin ist ein Speicherhormon: Es schleust Zucker in die Zellen und begünstigt den Fettaufbau. Wer mit einer Insulintherapie beginnt, nimmt im ersten Jahr nicht selten zwei bis vier Kilo zu. Ähnliches gilt für Sulfonylharnstoffe wie Glimepirid, die die körpereigene Insulinausschüttung anregen.

Die moderne Diabetologie hat darauf längst reagiert. Metformin ist gewichtsneutral bis leicht gewichtssenkend, und GLP-1-Medikamente wie Semaglutid senken das Gewicht sogar deutlich. Wenn du Typ-2-Diabetes hast und unter deiner Therapie zunimmst, ist das ein sehr guter Anlass für ein Gespräch über die Medikamentenwahl.

Weitere Wirkstoffe im Überblick

Neben den großen vier gibt es noch eine Reihe weiterer Kandidaten, die du auf dem Schirm haben solltest:

  • Antipsychotika wie Olanzapin, Clozapin oder Quetiapin gehören zu den stärksten Gewichtstreibern überhaupt. Zunahmen von zehn Kilo und mehr sind möglich, regelmäßige Gewichtskontrollen sind hier Standard.
  • Antiepileptika wie Valproat oder Gabapentin, die auch bei Migräne und Nervenschmerzen eingesetzt werden, steigern bei vielen den Appetit.
  • Hormonpräparate, etwa die Dreimonatsspritze zur Verhütung oder hochdosierte Gestagene, können das Gewicht erhöhen. Bei der klassischen Antibabypille ist der Effekt meist gering und beruht oft auf Wassereinlagerungen.
  • Antihistaminika der älteren Generation, die müde machen, regen teils auch den Appetit an.
  • Insulin-Sensitizer wie Pioglitazon führen häufig zu Wassereinlagerungen.

Eine kleine Orientierung, welche Effekte typisch sind:

Wirkstoffgruppe Typischer Gewichtseffekt Mögliche Alternative (ärztlich klären)
Mirtazapin, Amitriptylin stark steigernd Sertralin, Bupropion
Kortison (Dauertherapie) steigernd, plus Wasser Dosisreduktion, lokale Anwendung
Olanzapin, Clozapin stark steigernd Aripiprazol, Ziprasidon
Ältere Betablocker leicht steigernd Nebivolol, ACE-Hemmer, Sartane
Insulin, Sulfonylharnstoffe steigernd Metformin, GLP-1-Medikamente
Valproat steigernd Topiramat (wirkt eher senkend)

Die Tabelle ersetzt keine ärztliche Beratung. Welche Alternative für dich infrage kommt, hängt immer von deiner Erkrankung, Begleiterkrankungen und der bisherigen Therapie ab.

Wasser oder Fett? So erkennst du den Unterschied

Bevor du in Panik gerätst, lohnt eine kurze Bestandsaufnahme. Denn nicht jedes Plus auf der Waage ist Körperfett. Wassereinlagerungen entstehen oft schnell, innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen, und zeigen sich typischerweise an geschwollenen Knöcheln, Fingern, an denen der Ring kneift, oder einem aufgedunsenen Gesicht am Morgen. Drückst du mit dem Finger einige Sekunden auf das Schienbein und bleibt eine sichtbare Delle zurück, spricht das für Wasser.

Echte Fettzunahme entwickelt sich dagegen schleichend über Monate und geht fast immer mit verändertem Essverhalten einher: größere Portionen, häufigere Snacks, mehr Lust auf Süßes. Der Unterschied ist wichtig, weil die Konsequenzen verschieden sind. Wassereinlagerungen verschwinden oft nach Dosisanpassung oder Therapieende von selbst, hier helfen weniger Salz, Bewegung und Geduld. Gegen Fettzunahme hilft dagegen nur die Kombination aus Kalorienbewusstsein und Aktivität. Notiere im Zweifel eine Woche lang ehrlich, was du isst. Häufig zeigt sich dann schwarz auf weiß, dass der Appetit unbemerkt gewachsen ist.

So bereitest du das Arztgespräch vor

Viele Menschen trauen sich nicht, das Thema Gewicht in der Sprechstunde anzusprechen, oder bekommen ein knappes "Da müssen Sie durch" zu hören. Mit guter Vorbereitung erhöhst du deine Chancen auf ein echtes Gespräch deutlich.

  1. Dokumentiere den Verlauf. Notiere, wann du mit dem Medikament begonnen hast und wie sich dein Gewicht seitdem entwickelt hat. Ein zeitlicher Zusammenhang ist das stärkste Argument.
  2. Beschreibe konkret, was sich verändert hat. Mehr Hunger? Heißhunger abends? Ständige Müdigkeit? Geschwollene Beine? Diese Details helfen bei der Einordnung, ob es Appetit, Wasser oder Stoffwechsel ist.
  3. Frage gezielt nach Alternativen. Formulierungen wie "Gibt es in dieser Wirkstoffgruppe eine gewichtsneutralere Option für mich?" zeigen, dass du die Therapie nicht infrage stellst, sondern optimieren willst.
  4. Sprich über die Dosis. Manchmal reicht eine niedrigere Dosis oder ein anderer Einnahmezeitpunkt, um den Effekt abzumildern.
  5. Bitte um einen Kontrolltermin. Vereinbart einen Zeitpunkt, etwa in drei Monaten, an dem ihr Gewicht und Therapie gemeinsam neu bewertet.

Und das Wichtigste noch einmal in aller Deutlichkeit: Setze niemals ein verordnetes Medikament eigenmächtig ab oder reduziere die Dosis auf eigene Faust. Bei Antidepressiva drohen Absetzphänomene und Rückfälle, bei Betablockern Blutdruckkrisen, bei Kortison kann ein abruptes Ende sogar lebensgefährlich werden, weil die körpereigene Hormonproduktion Zeit braucht.

Was du selbst tun kannst, wenn das Medikament bleiben muss

Manchmal gibt es keine Alternative, weil genau dieses Medikament bei dir am besten wirkt. Auch dann kannst du einiges tun, um die Zunahme zu bremsen oder umzukehren.

Setze auf Eiweiß bei jeder Mahlzeit. Quark, Eier, Hülsenfrüchte, Fisch und Geflügel sättigen lange und schützen deine Muskulatur, gerade unter Kortison. Als Faustregel kannst du dich an 1,2 bis 1,6 Gramm Eiweiß pro Kilo Körpergewicht orientieren.

Plane feste Mahlzeiten statt ständiger Snacks. Medikamentenbedingter Appetit fühlt sich oft an wie echter Hunger, ist aber keiner. Drei sättigende Mahlzeiten plus eine geplante Zwischenmahlzeit geben dir Struktur und machen Heißhunger berechenbarer.

Baue Krafttraining ein, zwei bis drei Einheiten pro Woche reichen. Muskeln sind dein bester Schutz gegen einen sinkenden Grundumsatz, und sie verbessern nebenbei die Insulinempfindlichkeit.

Achte auf Schlaf und Flüssigkeit. Wer müde ist, isst mehr, das ist gut belegt. Und ausreichend Wasser hilft paradoxerweise auch gegen Wassereinlagerungen, weil der Körper weniger speichert, wenn regelmäßig Nachschub kommt.

Wiege dich wöchentlich, nicht täglich. Gerade bei Wassereinlagerungen schwankt das Gewicht stark. Ein Wochendurchschnitt zeigt dir den echten Trend, ohne dich verrückt zu machen.

Fazit

Gewichtszunahme durch Medikamente ist real, häufig und kein Zeichen von Disziplinlosigkeit. Antidepressiva wie Mirtazapin, Kortison, ältere Betablocker, Insulin und bestimmte Antipsychotika gehören zu den wichtigsten Auslösern. Der richtige Weg führt immer über das Arztgespräch: Verlauf dokumentieren, nach Alternativen und Dosisanpassung fragen, Kontrolltermine vereinbaren. Und parallel kannst du mit eiweißreicher Ernährung, festen Mahlzeiten, Krafttraining und gutem Schlaf eine Menge auffangen. Dein Gewicht und deine Gesundheit müssen keine Gegenspieler sein, auch nicht mit Tabletten im Alltag.

Fragen aus der Community

Häufige Fragen zu diesem Thema, beantwortet von unserem Team.

Welche Medikamente führen am häufigsten zu Gewichtszunahme?

Sandra Klein

Diätassistentin

Zu den bekanntesten gehören bestimmte Antidepressiva wie Mirtazapin und Amitriptylin, Kortisonpräparate, einige Antipsychotika, Insulin, Sulfonylharnstoffe und ältere Betablocker. Auch manche Antiepileptika und Hormonpräparate können das Gewicht erhöhen.

130Hilfreich

Wie schnell nimmt man durch Kortison zu?

Sandra Klein

Diätassistentin

Bei einer längeren Kortisontherapie in höherer Dosis kann sich das Gewicht schon innerhalb weniger Wochen verändern. Ein Teil davon ist Wassereinlagerung, die nach dem Ausschleichen wieder verschwindet. Kurze Kortisonstöße von wenigen Tagen haben meist kaum Einfluss.

167Hilfreich

Darf ich ein Medikament absetzen, wenn ich davon zunehme?

Thomas Vogel

Ernährungsberater

Nein, bitte niemals auf eigene Faust. Gerade bei Antidepressiva, Betablockern und Kortison kann ein abruptes Absetzen gefährlich werden. Sprich das Problem offen in der Praxis an und suche gemeinsam nach einer Lösung.

88Hilfreich

Geht das Gewicht nach dem Absetzen wieder runter?

Dr. Julia Berg

Ernährungswissenschaftlerin

Häufig ja, vor allem wenn die Zunahme durch Wassereinlagerungen oder gesteigerten Appetit entstand. Es passiert aber selten von allein. Mit angepasster Ernährung und Bewegung normalisiert sich das Gewicht bei vielen Menschen über einige Monate.

59Hilfreich

Gibt es Antidepressiva, die nicht dick machen?

Dr. Julia Berg

Ernährungswissenschaftlerin

Ja, einige Wirkstoffe gelten als weitgehend gewichtsneutral, etwa Sertralin in der Langzeitanwendung oder Bupropion, das den Appetit eher dämpft. Welche Option zu dir passt, hängt von deiner Diagnose ab und gehört in ärztliche Hände.

175Hilfreich

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#Medikamente#Gewichtszunahme#Kortison#Antidepressiva

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an qualifiziertes Fachpersonal.

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